Kunst im “Gespräch” mit Musik Schmerzende Disharmonie

Rochus Aust am Op-Art Objekt von Francoise MorelletDie etwas andere Sichtweise von Kunst demonstriert Rochus Aust am Op-Art Objekt von Francoise Morellet in der Performance Irreführung im Leopold Hoesch-Museum. 

Ungewöhnliche Veranstaltung mit Rochus Aust im Leopold-Hoesch-Museum

Düren. Kunst im Dialog mit der Musik einmal anders erleben, das war das Konzept von Rochus Aust mit seinem Ensemble „Re-Load Futura“ Samstagabend im Leopold-Hoesch-Museum. Im ersten Teil „Irreführung“ der musikalischen Triologie standen die Exponate der OP-Art Ausstellung „Neue Tendenzen“ im Mittelpunkt.

Ein Fisch, ein Fischer und eine neue Dimension im Hoesch Museum

Sichtweisen von Rochus Aust Rochus Aust (Flügelhorn), selbst bildender Künstler und Komponist und Musiker, fügte mit seinen Mitstreitern Heinz Friedl (Bassklarinette), Bosco Pohontsch (Trompete) und Vladimir Tarasov (Schlagzeug und Percussion) den Werken eine weitere Dimension der Betrachtungsweise hinzu. Offenbar sehen die Musiker plötzlich Noten in den Objekten der Ausstellung, spielen plötzlich und treten zurück um neue Impressionen eines anderen Werkes zu rezitieren. „Ich möchte, dass die Menschen, die die Ausstellung bereits kennen, einmal einen anderen Blick auf die Dinge bekommen. „Oh wow“, so kann man es auch sehen“, beschreibt Aust die Performance des mobilen Konzertes. Da ist natürlich viel Spaß und Freude an den Dingen dabei. Die übliche rein visuelle Betrachtungsweise wird gebrochen für einen anderen Zugang auf die Dinge und hört dann dieses Werk.

Rochus Aust Irre Führungen  Heinz Friedl (Bassklarinette)Vladimir Tarasov (1)

Die Mitte des Konzerts ist eine Hommage an den Erfinder der „Elektronischen Musik“, dem Musiktheoretikers Herbert Eimert. Sein Meisterwerk „Epitaph für Aikichi Kuboyama“ erklang im Treppenhaus des Museums. Unweigerlich nahmen die Besucher auf den Stufen Platz und lauschten den fremden Klängen in Quadrophonie. Der Fischer Aikichi Kuboyama war das erste H-Bomben Opfer und eine Stimme las seine Grabinschrift vor. Jede Stimme, jedes Instrument hat seine eigene Klangfarbe und Schwingungsstruktur. Eimert zerlegt die Schwingungen der Stimme des Erzählers, verzerrt, ändert die Geschwindigkeit und es entstehen fremde, teilweise sphärische Klänge. Doch es immer wieder die Stimme, das gesprochene Wort, das unterirdisch oder auch fern aus dem All an das Ohr des Zuhörers gelangt. Es war eine besondere Erfahrung von Musik.

Vladimir TarasovEinfach spannend, das hingebungsvolle Spiel von Vladimir Tarasov am Schlagzeug. Dezent setzt er Glöckchen, Triangel und Klanghölzer ein.

Jazz und der Fisch und die Präsentation ihrer neuen CD „Fish-lounge Vol II“ ist das Thema im letzten Kapitel des Konzertes. Zum Ensemble „Re-Load Futura“ gesellte sich für diesen Abend der russische Star-Schlagzeuger und Kuenstler Vladimir Tarasov, ein ausgewiesener Free-Jazzer und Könner am Schlagzeug und Percussion. Es geht um den Fisch als solchen, wie er schwimmt, wie er sich bewegt in seiner Welt. Die Musik wechselt von schmerzender Disharmonie im Ohr zum Pulsschlag und Rhythmus angenehmer Musik. Von der Empore klingt die eine schallgedämmte Trompete, ähnlich dem Spiel von Großmeister Miles Davis und es ist eine wahre Pracht die Konzentration und dem aussergewohnlichen Spiel Tarasovs zuzuschauen. Immer wieder fliessen Ansagen und Fischrezepte auf Englisch in das ausgeklügelte Sounddesign ein. Die hervorragende Akustik des Hoesch-Museums tat dabei ihr übriges. „Die Erfüllung durch die Nichterfüllung, das steht hier immer ganz klar nebeneinander. Die Musik ist nicht nur anstrengend, nicht nur Stress aber auch keine einlullende Bademusik. Die Spannung, die da entsteht, die möchte ich beim Hörer erzeugen“, beschreibt Komponist Rochus Aust nach dem Konzert seine Intention.

Vladimir Tarasov (2)

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