Sogar für Erdbeben ist vorgesorgt

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An vielen Stellen des Dammes verteilt stehen diese Messsteine. Mit den Messpunkten am Rand der Talsperre und den Messteinen messen Techniker selbst geringste Verschiebungen des Staudammes. 

40 m tief im Kontrollgang der Wehebachtalsperre. Wasserverband Eifel-Rir lädt alljährlich vor Ostern interresierte Besucher zur Besichtigung ein. Zahlreiche technische Details und ungestörte Natur.

Langerwehe. Die Wehebach-Talsperre ist die jüngste und wohl ursprünglichste Talsperre des Nordeifelraumes und liegt zwischen Hürtgenwald und Stolberg. Mit einer Fläche von 43,5 km² und 25,1 Mio m³ gehört sie zur drittgrößten Talsperre der Eifel. Die sehr trockenen 70er Jahre führten zum Bau der Talsperre, die 1983 in Betrieb ging. Ihre Bestimmung: Hochwasserschutz des Wehe- und Indetales sowie Trinkwasserversorgung.

Aufgrund der strengen Wasserschutzbestimmungen der Schutzzone I, beginnt ca. 150 m vom Ufer des Sees, konnte sich die Natur hier ungestört ausbreiten. Dieser Bereich darf von Besuchern nicht betreten werden, deshalb gibt es keinen Rundwanderweg um den See. Doch passiert es regelmäßig einmal im Jahr, das sich Wanderer sich hier verlaufen.  Sie werden mit Hubschrauber und Wärmebildkameras oder von den Mitarbeitern des WVER mit Booten gesucht. Sie Suche kann mehrere Tage dauern.

Muffelwild, Biber mit ihren Biber-Burgen, viele Froscharten, größere Raubvögel wie Milan, Habicht oder Bussard, Fischreiher und Kormorane sind hier heimisch geworden. Ein letztes Paradies für Vogelkundler. Immer wieder beeindruckend sind die Graugänse, die hier auf den Weg in den Süden im November halt machen. Ein Geheimtipp für passionierte Wanderer zweifellos, denn es handelt sich um eines der reizvollsten Gebiete der Nordeifel mit einer abwechslungsreiche und nahezu unberührten Natur.

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 Luftbild der Wehebachtalsperre Foto: WVER

Drei Führungen

Unbewusst drängt sich die Frage auf: Wie ist das alles entstanden? Die Antwort darauf und eine Führung in die tiefsten verborgenen Geheimnisse des Staudammes konnten jetzt über 250 Menschen vom Wasserverband Eifel-Rur in Schevenhütte erfahren. „Unsere Besichtigungstour, mit drei Führungen über den Damm mit seinen Messsteinen und der Besuch des Kontrollganges am Fuße des Sees kurz vor Ostern, wird jedes Jahr immer beliebter.“, freut sich der Leiter der Öffentlichkeitsarbeit WVER Marcus Seiler über den regen Zuspruch und denkt über eine Erweiterung nach.„Ich hatte schon immer mal den Wunsch, die Wehebach-Talsperre zu sehen. Den Bau der Talsperre von 1977 bis 1981 konnte ich schon verfolgen“, berichtet Besucherin Bea Becker aus Düren beeindruckt von der Technik des Bauwerkes. Sie ist mit ihrer Tochter, der Enkelin, Schwester und Nichte zur Führung gekommen.

Wehebachtalsperre (2)Die Hochwasserentlastung mit Tossbecken ist das erste was Besucher als erstes von der Wehebachtalsperre sehen.

Nach einer Einführung durch Marcus Seiler übernahm Talsperrentechniker Kurt Strücker die Führung. Das erste Bauwerk, das auffällt ist die Hochwasserentlastung, ein Überlauf mit einer Schussrinne die im Tosbecken endet, die man sofort sieht, bevor man den Parkplatz in Schevenhütte erreicht. Er ist nur einmal im Jahre 1982, beim endgültigen Stautest übergelaufen, seitdem nie wieder.

Der Damm ist ein Steinschüttdamm aus Schiefer und Grauwacke mit einer bituminösen Außendichtung und für die Erdbebensicherheit ist der Kern mit einer zusätzlichen bituminösen Bremszone ausgestattet. Zahlreiche Messsteine auf den Damm messen die Verschiebungen des Dammes. „Aufgrund der Wärme im Sommer dehnt sich der Damm um ca. 2 mm auf der Luftseite aus. Im Winter umgekehrt“, erzählt Kurt Strücker und erklärt auch die Vegetation auf den Damm, wo Bäume, nicht dicker als 30 cm werden dürfen. Das bekannteste Bildmotiv der Wehebach-Talsperre ist der Blick vom Aussichtsturm über den See mit den drei Armen: im Westen das Tal des roten Wehebachs, östlich davon das des Wehebachs, die weiße Wehe und Namensgeber der Ortschaft Langerwehe und in westöstlicher Achse das Tal des Thönbachs. Mittendrin der große Entnahmeturm für das Trinkwasser.

Wehebachtalsperre (5)Anschaulich erklärt Talsperrentechniker Karl Strücker die Geheimnisse im Kontrollgang der Talsperre.

Doch jetzt ging es in die tiefen des Sees, dem Kontrollgang, er führt entlang des Fußes der Staumauer entlang. „Jeden Tag kontrollieren wir hier, ob Wasser durch den Damm dringt. Das Sickerwasser hier ist Grundwasser und Oberflächenwasser, ganz normal.Wehebachtalsperre Es ist rot, das kommt von dem Eisenerzvorkommen hier“, erläutert Kurt Strücker die Untersuchungspunkte. Der imposant ist auch der Blick von unten hinauf zum Entnahmeturm. Er ist 54 m hoch. Am Fuße des Turmes befinden sich die dicke Trinkwasserentnahmeleitung. Von hier wird auch der Wehebach mit Wasser versorgt, damit er immer kontant viel Wasser führt. „Weil die Fische und Natur im Wehebach kein Hochwasser kennen, dies aber wichtig ist, geben wir jedes Jahr am 15. November eine Spülwelle mit 1500 l Wasser pro Sekunde in den Wehebach ab und simulieren ein kleines Hochwasser“, beschreibt Kurt Strücker den Vorgang.

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Unter dem Entnahmeturm ist die gesamte Technik der Trinkwasserentnahme. Von hier kann man 54m hinauf zum Dach des Entnahmeturms schauen. Er ist innen hohl.

Auf den Weg zurück zu Ausgang passieren die Besucher ein dickes Schott. „Es steht hier, wegen dem Entnahmeturm, falls er bei einem Erdbeben umfallen sollte. Die dann entstehende Stauwelle wird hier aufgefangen“, so Strücker zum Abschluss. „ Ich wollte meinen Kindern mal zeigen, wie eine Talsperre funktioniert. Ohne diese Führung kämen wir hier nie rein“, ist Wolfgang Schenz aus Thum froh einmal unter dem Damm durch zumarschieren. „Das war toll, so tief unter dem Wasser, das waren über 40 m“, ist auch Sohn Michael vom Ausflug überzeugt.

Daten Wehebach-Talsperre

  • Bauzeit: 1977 - 1981
  • Höhe über Talsohle: 45 m
  • Höhe über Gründungssohle: 49,5 m
  • Höhe der Dammkrone: 255,50 m ü. NN
  • Speicherraum: 25,06 Mio. m³
  • Gesamtstauraum: 27,1 Mio. m³
  • Stauziel: 251,80 m ü. NN
  • Wasseroberfläche bei Höchststau: 170 ha
  • Dammvolumen: 750.000 m³
  • Kronenlänge: 435 m
  • Kronenbreite: 9 m
  • Einzugsgebiet: 43,5 km²
  • Bemessungshochwasser: 65 m³/s

Aus der Wehebachtalsperre fließen ständig – abgestimmt auf den Talsperrenzufluss – zwischen 100 l/s und 200 l/s Pflichtwasser in den Wehebach.

Die übrige verfügbare Wassermenge von im Mittel 11 hm³ wird jährlich für die Wasserversorgung bereitgestellt (Wasserwerk des Kreises Aachen, Stadtwerke Aachen, Stadtwerke Düren).

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