Roma Herzschlag und bezaubernde Poesie
Symphatisch und mit viel Feuer begeistert Eva Durán in Ihrer Lesung bei den 8. Lions Kulturtagen des Lions Club Düren Marcodurum auf Schloss Burgau. Sie wurde begleitet von Ihrem Übersetzetzer und begeisterter Anhänger Karl J. Müller (rechts)
Böll-Stipendiaten Jovan Nikolic und Eva Durán bieten ungewöhnliche Autorenlesung in Schloss Burgau. Lions Kulturtage.
Niederau: Es war eine Autorenlesung der besonderen Art am Mittwochabend, dem Welttag der Lyrik, in der kleinen Schlosskapelle bei den 8. Lions Kulturtagen des Lions Club Düren Marcodurum auf Schloss Burgau. Zwei außergewöhnliche Stipendiaten der Heinrich Böll Stiftung lasen in ihrer Landessprache aus ihren Werken vor.
Zum einen der Literat Jovan Nikolic. Er ist ein serbische Roma und zählt zu den wichtigsten Autoren seines Volkes, der es geschafft hat, sich in beiden Kulturkreisen gleichermaßen zu bewegen - dem der Roma und dem der “Gadshe”, dem Nicht-Roma. Als Mitbegründer des internationalen Roma-Schriftstellerverbandes ist er mit zahlreichen internationalen Preisen ausgezeichnet und kämpft seit geraumer Zeit für das Projekt einer Romani-Bibliothek. Zu seiner Lesung brachte er zwei Bücher mit. Gedichte und Prosa „Zimmer mit Rad“ und „Weisser Rabe, schwarzes Lamm“ beide im Drava Verlag, Klagenfurt erschienen. Im Duo mit Sigrun Reckhaus, sie übernahm den Part der Übersetzung, las er in Serbokroatisch mit viel Gestik und in für einen erfahrenen Erzähler gefälligen Stimme kleine Geschichten aus den Büchern vor. „Weißer Rabe, schwarzes Lamm“ sind kleine, in sich geschlossene Prosatexte und erzählen vom turbulenten Leben in einer kleinen Romasiedlung, von Dragisa, über das Leben einer Minderheit. Es ist wie ein Kaleidoskop, die Mutter ist Serbien „Weißer Rabe“ aber dennoch spürt man den Herzschlag des Roma „schwarzes Lamm“. Im „Zimmer mit Rad“ beschreibt Jovan Nikolic das In-Bewegung-Bleiben als Überlebensstrategie, die sich durch jahrhundertelange Erfahrung bestätigt findet, Metapher zugleich für den Wunsch, irgendwann einmal irgendwo anzukommen, zurückzukehren, zu Hause zu sein. Ein Bild scheint für die Roma bezeichnend, der Centaur. Vielleicht stammen die Roma vom mythischen Wesen, halb Pferd und halb Mensch ab. Der Roma liebt die Pferde und sehnt sich immer nach dem Teil der fehlt.
Eva Durán
Die zweite Autorin des Abends ist die Stipendiatin 2006 des Böll Fonds des Landes Nordrhein-Westfalen Eva Durán, geboren 1976 in Cartagena/Kolumbien. Seit ihrem 18. Lebensjahr arbeitet sie als Schriftstellerin und Journalistin, studierte Kulturmanagement und war als Kulturredakteurin und Autorin beim Fernsehen und Radio tätig. Als Eva 2004 einen Artikel über den Mord an einem Journalisten, der auf Grund von Gesetzen, nach denen auch anonyme Zeugenaussagen zur Anklage führen konnten, vor Gericht gestellt und kurz darauf erschossen wurde, wurden aus den verbalen Angriffen direkte Drohungen und sie entschloss sich zu fliehen. „Für mich ist Eva wohl das vielversprechendste lyrische Nachwuchstalent. Die spanische Sprache ist sehr hart, ihree Poesie bezaubernd“ beschreibt Karl J. Müller die Autorin. Er hat das Buch „El Jardin Donde Vuelan los Mares“ (Der Garten, in dem die Meere fliegen) ins Deutsche übersetzt und assistiert ihr an diesem Abend als Dolmetscher. Das Buch ist eine Trilogie. Im ersten Teil „Die Stadt der Wörter“ beschreibt sie ihre Liebe zum Leben im alten Cartagena de Indias. Der zweite Teil „Die Stadt der Wut“ ist die Auseinandersetzung mit ihrer Heimatstadt, die ihre dunkle Vergangenheit als Hafen des Sklavenhandels nie abstreifen konnte. Der Bürgerkrieg gehört seit 60 Jahren zum Lebensalltag, Machismo, kuriose Ehrvorstellungen, Korruption und Heuchelei und rigide religiöse Vorstellungen hält die Gesellschaft dort zusammen. Und Schlussendlich im dritten Teil „Die Stadt der Begattung“ nimmt sie keinen Blatt vor den Mund und erzählt in kleinen Geschichten von der Beziehung zwischen Mann und Frau. Die Verdichtung wird dadurch erreicht, dass ein reflektierendes Ich quasi im Zeitraffer das Leben der handelnden Personen zusammenfasst.
Nicht nur Sigrun Reckhaus ist vom Ausdruck und der Gestik von Jovan Nikolic begeistert. Er ist ein fazienierender Erzähler der Lebensart der Roma im kleinen Konzertsaal des Schlosses Burgau.


























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