Drei Schritte zur Seite, zwei in die Vergangenheit
Voll in seinem Element, Konrad Beikircher. Es ist pure Freude, dem fleißigen Archivar der rheinischen Besonderheiten im Haus der Stadt zuzuhören.
Konrad Beikircher begeister mit seiner “Rheinischen Neunten” Publikum im vollbesetzten Haus der Stadt in Düren. Lebendige Geschichten mit viel Witz und geschichtlichen Fakten von einem Lehrmeister der hiesigen Lebensart.
Düren. Konrad Beikircher, Südtiroler Exil-Bonner und bekennender rheinischer Katholik erzählte mit viel Witz und Charme Anekdötchen rund um die rheinische Lebensart am Donnerstagabend im vollbesetzten Haus der Stadt. Mit seinem neuen Stück “Die Rheinische Neunte” bringt er amüsant verpackt in kleinen Geschichten, gespickt mit geschichtlichen Fakten, ein weiteres wichtiges Stück hiesiger Kulturgeschichte auf die Bühne. Konrad Beikircher ist ein Lehrmeister der Rheinischen Sprache. “Wenn in einem Wort ein “l” ist, so sucht sich die rheinische Zunge dieses l und verfünffacht es, wie in dem Urlaubsort der Rheinländer ´Ruhpolllllding`” beschreibt der “Exillant” eindrucksvoll, den Singsang der Rheinländer, so dass es “flück” über die Zunge entwischt. Beweise hat er auch, dass die Errungenschaft der Spaßgesellschaft der 80er die “Ü 30 Party” eigentlich kalter Kaffee ist. Kürfürst Prinz August hat bereits damals auf Ehrenbreitstein an seiner ersten und letzten U30 Party teilgenommen. Nachdem er mit allen Damen des Abends tanzte verstarb er. Natürlich gab es besondere Beerdigungs-Praktiken im Mittelalter, “ausnehmen, kochen, pökeln und in Ochsenleder einnähen” natürlich nicht für Karl-Heinz sondern nur für Vips, die dann überall im Land verteilt wurden. Auch erfuhren die bekennenden Rheinländer im Zuschauerraum viel Wissenswertes, das nicht in den offiziellen Geschichtsbüchern steht, vom Vorzeigesohns Bonns: Ludwig van Beethoven und seiner Familie.
Die Wehwehchen
Religion spielt im Rheinland eine große Rolle. So gibt es für jedes Wehwehchen einen Schutzheiligen. Wer nicht weiß, welchen Schutzheiligen er anrufen soll, Beikircher gibt Auskunft. “Wussten sie eigentlich, das die Preußen eine Order ausgaben, niemals einen Rheinländer in die erste Reihe der Front zu stellen“, so Beikircher. Das ist der ausgeprägten Fähigkeiten des Rheinländers, dem Maggeln geschuldet. Überall und immer Maggelt er und wenn er kann, auch Schmuggeln. So wurde das ganze Eifelörtchen Mützenich nach dem Krieg wegen Kaffeeschmuggel vor den Kadi in Köln zitiert und nach dem Aufbau der Kirche in Schmidt heißt sie fortan, nur für Insider bekannt St. Mocca.
Seine Geschichten sind lebendig, versprühen so viel Witz und er erntet dafür immer wieder stürmischen und herzlichen Beifall. Konrad Beikirchers “Neunte” ist wie eine Springwalfahrt: zwei Schritte in die Vergangenheit, plötzlich Gegenwart und wieder drei Schritte zur Seite. Einfach erstaunlich wie dieser fleißige Archivar die rheinische Seele beschreibt. Respekt.
























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