„Ihr seid verantwortlich für das, was passieren wird”
„Ich habe am meisten die Freiheit vermisst” Max Mannheimer machte Station in Düren und las aus seinem Buch „SpätesTagebuch”.
Max Mannheimer berichtet im Komm-Zentrum und im Rurtalgymnasium über sein Leben während der Naziherrschaft
Düren. „Ihr seid nicht verantwortlich für das, was geschehen ist, jedoch für das, was noch passieren wird”, gibt Max Mannheimer, 86 Jahre alt, den Schülern im Musiksaal des Rurtalgymnasiums mit auf den Weg.
Mannheimer ist einer der wenigen noch lebenden Zeitzeugen des Holocaust und berichtete am Dienstag im vollbesetzten Komm und gestern vor über 200 Schülern und Eltern von Wirteltor- und Rurtal-gymnasium über seine Erlebnisse zu Zeiten des NS-Regimes.
„Ich bin Zeitzeuge und nicht Ankläger oder Richter. Mit meinem Vortrag möchte ich Bewusstsein schaffen gegen das Vergessen und für Demokratie”, beschreibt Mannheimer seine Motivation. Unter dem Symbol des Hakenkreuzes haben über 50 Millionen Menschen ihr Leben gelassen. Mannheimer berichtet von Hermann Grünspan, einem 17-jährigen, verzweifelten Menschen, der im November 1938 in Paris einen deutschen Diplomaten in der Botschaft erschoss. Grund war der Er-lass, dass Juden, die länger als fünf Jahre im Ausland waren, nicht mehr zurück nach Polen reisen durften. Von der Reichspogromnacht, der Vertreibung und Deportation in die Konzentrationslager Theresienstadt, Birkenau und Dachau, die er mit seinen Eltern und vier Geschwistern erleben musste. Von den kriminellen Funktionsgefangenen, die als „Grüner Winkel” als Aufseher Angst und Schrecken verbreiteten.
„Sie haben uns nummeriert wie Vieh. Doch das ist nicht meine Schande.” Max Mannheimer, angesprochen auf die Nummer am Unterarm
„Einmal stand ich mit meinen Brüdern in Birkenau beim morgendlichen Zählapell rechts neben einen Stacheldrahtzaun mit der Aufschrift ,Hochspannung’. Da sagte ich zu meinem Bruder: Wir müssen unser eigenes Grab schaufeln und wollte mich in den Zaun stürzen. Mein Bruder fragte mich: Willst du mich, alleine lassen? Das konnte ich nicht.”
Der gut 90-minütige Vortrag des 86-Jährigen ist lebendig, mit vielen Anekdoten gespickt, einfach beeindruckend. Und er stellt sich den Fragen des Plenums, offen, ehrlich und ohne Tabus! Auf die Frage „Wie kann man das Verzeihen”, antwortet Max Mannheimer: „Auf Hass kann man kein Lehen aufbauen, und nicht in jeder Uniform steckte ein Teufel.”
Mannheimers Zuhörer waten fasziniert. Volker Diekemper, Vater, zweier Schülerinnen des Rurtalgymnasiums; „Er beschreibt die Dinge mit viel Humor, viel Wissen und geschichtliche Daten. Ich bin von diesem Mann begeistert.”
























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